Eindrücke von der Tagung „Schaf schafft Landschaft“

Seit Jahren berichte ich hier, in Foren und auf Veranstaltungen (Exkursionen, Zukunftstagen) einerseits von den extremen Schwierigkeiten der Schäferei, die so vielschichtig wie existenzbedrohend sind, wie ich ebenso davon berichte, wie ultimativ wichtig die Weidetierhaltung für die Artenvielfalt ist. Das ist dabei noch nicht mal nicht korrekt ausformuliert. Artenvielfalt ja, aber wir „produzieren“ eben auch enorme Masse an Insekten und draus logisch folgend auch unglaublich viele, die an diese Nahrung gebunden sind. Die Nahrungskette startet im Dung des Schafs, das zudem als Taxi der Artenvielfalt dient.

In unserer Region hat man mir oft genug gesagt, dass man a) entweder ganz viel für die Weidetierhalter tut (das meint Beratung in Förderprogrammen, die nicht die Bohne für uns Schäfer taugen) bzw. b) dass man eigene Beweidungsprojekte (Rinder, Ponys) hat, die unterstützt werden müssen bzw. c) dass das keinen Sinn hätte, weil das hat man schon mal versucht.

Die existenzbedrohenden Umstände erzeugen bei den Schäfern mittlerweile eine ungeheure Wut oder Frustration. Zumal von Seiten der Politik ja in geradezu lächerlicher Weise Artenschutz, Insektenschutz, Naturschutz, FFH-Gebiete als Ultra wichtig bezeichnet werden. Was hat Deutschland nicht allein völkerrechtlich verbindlich unterschrieben. Bis 2020 hätten Insekten, Rote Liste Arten ect. alle in deutlich besserem Zustand sein müssen. Das Gegenteil ist der Fall. Unbestritten ist der positive Einfluss der Weidetierhaltung auf die Ökosysteme. Gleichzeitig schaut man tatenlos dem Höfesterben zu. 2 Prozent weniger Schäfer pro Jahr, dto. Schafe.

Da praktisch kein Schäfer auf fetten Flächen ausschließlich hütet (meist sind es eben Grenzertragsstandorte), fallen damit jährlich auch entsprechend naturschutzfachlich wertige Flächen aus der Nutzung raus. Entweder ganz raus, oder sie werden intensiviert, womit die an diese Nutzung gebundenen Arten verschwinden. In Vielfalt und Menge!

An der Uni Kassel hat man diese Zusammenhänge erkannt und gehandelt. Folgendes Projekt wurde gestartet:

Schaf schafft Landschaft

Wie immer dieses Projekt ausgeht: Ich ziehe meinen imaginären Schäferhut davor es einfach gewagt zu haben! Viele, viele Jahre Vorbereitung, Geld vom Staat beantragen – in einer Größenordnung, dass daraus was werden kann und im Gegensatz zu so vielen anderen Projekten die Betriebswirtschaftliche Seite der Betriebe dabei mit im Fokus zu haben.

Es geht um bereits zerstörte Vermarktungsstrukturen (selbst die Größte Schäferei schafft es gerade einmal ca. 70 Lämmer pro Jahr direkt zu vermarkten), um die lächerliche Situation der Wolle (das schon oft erwähnte Abfallprodukt mit Sondermüllstatus), um die auf keinen Fall vermarktbaren Altschafe (weil – DANKE – auch dieser Schäfer sich weigert die Schafe lebend nach Drittländer zu verschiffen, was mindestens eine unvorstellbare Transport-Quälerei für die Tiere ist) und um die häufig nicht… wie soll ich es beschreiben … keine belastbare Vermarktungsoption durch die Gastronomie.

Wie so viele habe auch ich mir gedacht: Was tönen die Verbraucher nicht alles: Sie wollen Fleisch aus guter Haltung, naturnah produziert, nachhaltig, klimaschonend… nur kaufen – nö.

Mangels Angebot sicher auch. Aber wie ich es schon ebenfalls häufiger schrieb: Lieber Verbraucher: Fragt doch AKTIV in Euren Metzgereien nach. Nach Lammfleisch aus der Region. Fragt doch mal bei Schäfereibetrieben! Noch gibt es sie. Immer weniger und immer weniger, die nicht ihre Lämmer en bloc an Händler verkaufen, die ins Ausland verkaufen, weil der Deutsche lieber das gefrorene, um die Welt gereiste, aber so schön günstige Fleisch aus Neuseeland kauft. Für den Preis kann der Deutsche Schäfer nicht produzieren.

Der Weltmarktpreis für Lammfleisch pro Kilo, liegt derzeit bei round about 2 €

Der besuchte Schäfer zieht wie wir durchs ganze Jahr. Das sind Betriebe, die kontinuierlich N (Stickstoff) den Böden entziehen. Auch dies wurde breit wissenschaftlich untermauert auf der Tagung dargelegt. Fleisch, das der Verbraucher doch auch aus Grundwasserschutzgründen begeistert kaufen müsste!

Die Muttertierprämie für Weidetierhaltung wurde gerade erst wieder abgelehnt. Selbst die geringe „Förderung“ für die seltene Nutztierrasse WGH wurde erneut runter gekürzt. Die Schäferei wird dem Sterben ausgesetzt. Und mit ihr… auch das Sterben so vieler Arten. Politisch so gewollt, egal, was man proklamiert.

Ob es dieses Projekt schaffen wird eine Trendwende mindestens in dem Projektgebiet zu erreichen… bleibt abzuwarten. Aber wenigstens haben sich ein paar kluge Köpfe zusammen gesetzt und haben gehandelt. Dafür haben sie meinen allergrößten Respekt!

Schade, dass es so etwas in unserer Region nicht gibt!

Über frauenschuh

Schaf- und Ziegenhalterin, 1. Vorsitzende NABU Dassel-Einbeck, Beiratsmitglied NABU Altkreis Münden, Apothekerin. Motto? Wir haben nur dieses eine Leben! Dieses eine, wunderbare Leben!!!
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