Was ist ein „Sollingschaf“?!

TrutchenwollebodenlangEin „Solling-Schaf“ ist nicht etwa eine neue Schafrasse, gezogen um den Solling zu beweiden. Für das Solling-Schaf greifen wir auf alte, seltene Nutztierrassen zurück. Diese eint aber ein Merkmal, weswegen der Wanderer oder Interessierte sich ziemlich sicher sein kann, eines unserer Schafe im Solling gesichtet zu haben: Fast alle unsere Weidetiere – auch die Weiblichen – tragen Hörner! Wir halten Weiße Gehörnte Heidschnucken in Herdbuchzucht und Skudden im Vorherdbuch bzw. Herdbuch. Wir sind anerkannte Stammzucht im Landesschafzuchtverband Niedersachsen!

Foto: Robert Schumacher: Weiße Gehörnte Heidschnucke „Trutchen“

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Mit etwas Verspätung

Na, so 14 Tage Rückstand haben wir dieses Jahr. Wenn man die schweren Stürze im Frühjahr bedenkt, dann bleibt Dankbarkeit, dass es weiter geht. Wenn wir ziehen… dann ist das sehr besonders für uns. Ihr werdet denken: Schafe ziehen mit ihrem Schäfer/in, was soll daran toll sein? Nun… bei uns fehlt beispielsweise ein Hund. Die Schafe ziehen mit uns nur deswegen, weil das Vertrauen da ist. Spätestens da begreift man, was es heißt Hirte zu sein. Das ist wiederum ein Lebensgefühl 😉

Vollkommen tiefenentspannt verlief der Zug der Skudden zu den Wohlkopfswiesen. Ein gemütlicher Spaziergang an frischer Luft. Unser Coburger Füchslein, ein diesjähriges Flaschenlamm, blieb zwar lieber bei der Nachhut – bis dann doch irgendwann die Neugier siegte und in Bockspüngen high speed der Herde hinterhergesetzt wurde. Dafür hoppelte mein Senioren-Flaschenlamm Mina zurück um nach ihrer Schäferein zu schauen. So weit ist es schon, dass die Schafe das Wohlbefinden ihrer Schäfer im Sinn haben 😉

Wir sagen Dankeschön an all die Helfer der vergangenen Woche.

Wo ging es nun hin?

Auf die Wohlkopfswiesen! Hier gehtes weiter auf Flächen der NLF. Das Johanniskraut hat unser Töchterlein schon ausgemäht. Tiefenentspannter Hochsommer praktisch so weit das Auge reicht. Töchterlein und ich haben da oben gepicknickt. Mit Gurke und Tomaten aus dem Gewächshaus, selbstgemachtem Baguette. Vielleicht liegt es gerade an diesem speziellen Jahr, dass man jeden Moment genießen will. Zuletzt saß ich nach der Zäunungsarbeit und dem Narrensprung der Jungzibben über den trockenen Bach auf den Kreuzwegwiesen. Eine Jungzibbe knabberte am Hut, die nächste pustete ins Ohr, eine stand auf meinen Beinen und alle anderen befanden sich neugierig in der zweiten Reihe. Für jeden mag Glück etwas anderes sein. Für mich ist es dies.

Derzeit meine Lieblingsgruppe: Jungzibben aus 2019. Fast erwachsen, optimal auf uns geprägt
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Die Genbank von morgen

Unser alter Skuddenbock Mähphisto zog letztes Jahr noch einmal in die Welt hinaus um eine neue Herde zu „beglücken“. Was er gewissenhaft erledigt hat. Gestern haben wir unseren Ehemaligen besucht und genetische Reserve gebunkert: Hannibal und Bruno, zwei diesjährige Söhne traten die weite Reise an und verstärken seit gestern Abend unsere Jungbockgruppe.

Großes Entsetzen bei den WGH-Bocklämmern. Ein Schaf hat weiß zu sein. Panikartig stob man auseinander, während die beiden newbies verzweifelt Anschluß suchten. Irgendwann hatte ein Skuddenlammein Einsehen. Wenn die eigene Mutter schwarz war, könnte das Leben nicht doch vielleicht bunt sein?!

Tja Mähphisto (rechts im Bild im neuen Daheim), irgendwas bleibt immer. In diesem Fall zwei hübsche Söhne. Für endlich mehr Farbe im Bestand. Knuth bringt ja wahrlich hübsche Lämmer. Aber immer nur weiß… puh.

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Reproduktionsgedanken und Bockkultur

Herdbuchzucht ist ein teures Unterfangen. Ach wie löblich und oh wie lieblich – doch davon kann man nicht leben. Was durchaus mehr als schade ist. Wir hätten auch nichts dagegen Vollzeit-Schäfer zu sein.

An betriebswirtschaftlichen Schrauben zu drehen, erscheint in einem Jahr von Schlachthofskandalen eher leicht. Bislang konnte ich aber keine Nachfrage nach Weidefleisch und in der nahegelegenen Familienmetzgerei erzeugtem Produkt feststellen. Da sind wir wieder bei ach so löblich, ach so lecker – aber solche Sätze machen nicht satt. Man muss das Produkt auch kaufen.

Also was ist dann zumindest temporär die Lösung? Ja genau die, die andere Schäfer im Bereich der Landschaftspflege schon gehen. Die Reproduktion wird begrenzt. Insgesamt 40 Muttern beider Rassen und dann ist Schluss. Heißt… unsere Bockgruppe wird erneut wachsen. Warum? Es ist ein wenig irre, dass wir im Juni/Juli den Flächen kaum Herr werden (also eben jenen, die sonst keiner pflegen will, weil sie zu steil, zu weit weg oder zu mager sind – dafür ökologisch hoch spannend), während wir im Rest des Jahres kaum genug haben. Das stellt sich mit ausgewachsenen Tieren anders dar. Während Lämmer bis zur Abgabe nicht erheblich zur Aufwuchsminderung beitragen, ist eine ausgewachsene Bockgruppe pünktlich im Juni ein pikobello Schnetzelteam.

Scheint doch ein wunderbarer Kompromiss zu sein?! Ich warne indes davor darin die Lösung für den allseits bestehenden Pflegenotstand von Biotopflächen zu sehen. Im Grunde… ist dieser Entschluss für jeden Schäfer etwas wie der Anfang vom Ende. Nicht oder begrenzt reproduzierende Schafe, sind irgendwann nur ein historischer Nachhall der Geschichte. Es ist aber genau das Entgegengesetzte, was wir ökologisch gesehen bräuchten. Und sicher nichts, was vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen eine breite genetische Basis dauerhaft sichert. Wissenden Auges zugesehen oder dagegen gestemmt? Es ist eher 5 nach als 5 vor 12 in der Schafzucht.

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Die Ersten haben uns verlassen

Der Juni ist eine besonders ereignisreiche Zeit im Jahr. Kaum ist die Schur vorbei, wird bei den Lämmern sortiert. 15 Jungböcke bilden eine eigene Gruppe. Für die meisten hieß es nun weg von der Mutter, rein ins eigene Leben. Für die meisten wird der Weg im Herbst in die Verwertung führen. Aber solange, haben sie alles, was vielen Stalltieren fehlt: Wind und Wetter, Artgenossen zum Rumtoben auf frischen Weiden, Futter satt, Rangordnung austragen und finden können, in der Sonne dösen und sich bei Regen freuen, dass man Wetterfunktionskleidung trägt.

Die Jungböcke im Paradies – auf der sogenannten Pralinenobstwiese

Die diesjährigen Jungzibben (bis gestern waren es für uns Lämmer), dürfen bei den Müttern bleiben, bzw. wieder zu ihnen stoßen, wenn am Montag der Gentest bei den Schnucken erledigt ist. Dieses Jahr behalten wir nur wenige Schnucken, da wir im vergangenen Jahr 8 Jungzibben behalten haben. Wir können nicht endlos wachsen. Aber 2 oder 3 werden getestet und werden unsere Schnuckenherde verstärken. Was bei den Skudden mutmaßlich wieder aussichtslos ist, da die Nachfrage das Angebot übersteigt. Nächstes Jahr müssen wir dringend welche zurückhalten, da sonst die Skuddenherde überaltert. Die unterschiedliche Nachfrage bei den beiden Rassen könnte deutlicher nicht ausfallen. Dennoch sehe ich das mit einem weinenden und einem lächelnden Auge. Mit Skudden fangen viele an und bleiben ihnen auch meist treu. Aber manch einer traut sich nach ein paar Jahren mehr zu und „riskiert“ auch mal eine Schnucke. So scheint der Trend zur Weidetierhaltung im Hobbybereich eher zuzunehmen – was mich riesig freut: Hängt daran doch nicht nur die seltene Nutztierrasse, sondern unzählige ökologische Faktoren. Angefangen vom Mistkäfer bis hin zur Rauchschwalbe, vom Grünlanderhalt bis zur Sicherung seltener botanischer Schatzkästchen.

5 Skuddenmädels sind heute nach Südthüringen gezogen. Wir wünschen den neuen Haltern und den kleinen Jungzibben ein langes, fröhliches, gemeinsames Leben und wenn es so weit ist… auch hübschen und unkomplizierten Nachwuchs, so wie wir ihn jedes Jahr bei den Skudden kennen: Morgens rausfahren, beglückt feststellen, dass lauter kleine Beinchen vor, hinter und unter ihren Müttern zu erkennen sind und der Blick in die Runde nur zufrieden propellernde Schwänzchen und keine Probleme sieht.

Hier ein letzter Blick auf einen Teil der Skuddenherde, bevor die Lämmer abgesetzt wurden

Die kleine grün markierte Zibbe ist übrigens nicht etwa mickrig – sie kam nur deutlich später auf die Welt
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Sommerliche Frisur

Einmal im Jahr müssen die Schafe nackig werden. So schön das Wollkleid die genügsamen Landschafrassen auch wärmt und vor Nässe schützt – im Juni gehört das Schaf geschoren. Und schon gehen die Probleme los: Das Wetter muss mitspielen. Wer hilft? Ach Du liebe Güte, die Lämmer sind noch dabei – die müssen gleichzeitig sortiert werden. Und am Ende des Ganzen wie jedes Jahr die Frage: Wohin mit der Wolle?! Falls Sie gerade dabei sind Ihre Waldfläche neu aufzuforsten: Wir könnten ihnen für alle Bäume Verbissschutz liefern. Kostengünstigst. :-/

Ohne Scherz: Falls Ihnen außerhalb von Verbißschutz oder Dünger etwas einfällt, was man mit der harten Landschafwolle anstellen kann, dann werden Ihnen viele Schäfer riesig dankbar sein! Für Socken und Co eignet sich diese Wolle nicht. Und Teppiche in allen Ehren… aber derzeit sind eher Fliesen und Laminat „in“.

So ist die Multifunktionskleidung der Schäfchen ein nachwachsender, aber kaum nutzbarer Rohstoff.

Bei uns war es Freitag so weit. 46 Schafe mussten „nackig“ werden. Im Sauseschritt, die eine Hälfte mit der Maschine, die andere Hälfte genauso flott mit der Hand, wurden die Schafe entkleidet: Die Schnucken kippten überwiegend in die Wellness-Genussstarre, die Skudden liebten es… äh… wieder quirliger. Die Moral aus der Geschichte? Handschur geht mit dem richtigen Werkzeug fast so schnell wie Maschinenschur. Der Handschurkurs des NABU´s ist nicht ohne Grund schon für 2021 ausgebucht. Wir sind mega dankbar und erleichtert – ist doch die Schur in jedem Jahr eine Herausforderung. Das verstehen Sie am besten, wenn Sie selber Schafe haben und sich auf die Suche nach einem Scherer begeben. Das ist nicht mehr so wie früher. Analog zum Hufschmied für ein Pferd finden, häufig aussichtslos. Drum ganz im Ernst: Das sind Kompetenzen, die wir Schafhalter inzwischen mit erledigen müssen. Wer es noch nicht kann, muss es lernen. Und das meint was anderes als das Zusehen beim Schafhalterkurs. Zumindest, wenn größere Mengen Schaf frisiert werden müssen.

Wir sagen ein allerherzlichstes Dankeschön an alle Beteiligten. Und ein besonderes Dankeschön für die Geduld mit den Skudden. Es ist die allereinzige Eigenschaft, wo die kleinen Flitzer schwieriger zu handeln sind als die Schnucken. Dennoch vergnügt auch die Zappelphillipe schmuck zu frisieren – ist neben der Fingerfertigkeit die Kür der Schur

Was da übrigens rot leuchtet ist nicht etwa Blut, sondern die Farbmarkierung der Schnuckenmutter.
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Ein neuer Arche-Passagier bei Slowfood

Wir sind Mitglied bei Slowfood, dem Verein für besser Essen und Genießen mit Verstand. Regionalität, Schondener Umgang mit der Natur, Weitergabe von Wissen und Wissenwertem, Erhalt alter Obst- und Gemüsesorten und alter Nutztierrassesen…. es gibt viele Gründe slowfood beizutreten. Slowfood hat beispielsweise besonders seltene Nutztierrrassen zu „Archepassagieren“ erkoren. Schon länger tummelt sich dort die Weiße Gehörnte Heidschnucke. Sie habe u.a. das beste Schaffleisch überhaupt. Neu dazu gekommen – und darüber sind wir sehr dankbar – ist nun auch die Skudde. Der Absatz von Schlachttieren ist bei dieser Rasse aufgrund der geringen Größe extrem schwierig. Warum aber gerade auch das Fleisch der Skudde ein Highlight ist, kann man neben vielen anderen Informationen über die Rasse hier nachlesen:

https://www.slowfood.de/was-wir-tun/arche_des_geschmacks/die_arche_passagiere/skudde

Aktuell haben wir noch 4 Tiere aus 2019 zur Verwertung zu verkaufen. Dass auch erwachsene Tiere (die 4 sind knapp über ein Jahr alt und damit eben per Definition kein Lamm mehr). Dass auch erwachsene Skudden noch ein Geschmackserlebnis sind, haben einige Köch*innen der Chef Alliance von Slowfood hier berichtet:

https://www.slowfood.de/aktuelles/2019/skudde-chef-alliance-widmet-sich-einer-der-aeltesten-schafrassen-europas

Trauen Sie sich doch mal etwas Neues zu wagen: Nose to tail verwerten. Eine Skudde im Ganzen (der Gesetzgeber erlaubt uns nur den Verkauf von halben oder ganzen Tieren) oder als Hälfte füllt keine ganze Tiefkühltruhe. Man muss also nicht monatelang das Gleiche essen 😉 Statt dessen hat man Fleisch eines echten Weidetieres. Unser Tiere weiden durchs ganze Jahr. Sie fressen nicht nur Gras, sondern weiden auf artenreichen Wiesen voller Blüten. Garniert mit Strauchaufwuchs aus der Landschaftspflege. Wir lassen ausschließlich in einen der drei hiesigen Betriebe schlachten. Es gibt also keine ellenlangen Transporte.

Diese Tiere haben alle Jahreszeiten erlebt. Wind und Wetter gespürt und in der Sonne gedöst. Sie haben sich mit ihren Artgenossen messen können und ihren Platz gefunden. Wieviel anders ist das, als wenn Tiere in Stallhaltungen nie das Sonnenlicht gesehen haben. Also geben Sie sich einen Ruck: Es ist nicht nur von Regionalität zu reden. Man muss diesen Einkauf auch Praktizieren, damit das Prinzip der Regionalität nicht nur ein theoretisch Gutes bleibt.

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Ein feiner Skuddenjahrgang

Dass unser Skuddendeckbock Knuth eine Wucht ist, hat er umgehend bewiesen. Umgänglich, liebevoll im Umgang mit seinen Zibben ect. Dass er auch sehr hübsche Lämmer zeugt, wissen wir schon seit 2019. „Heiß begehrte Ware“. So sehr, dass wir 2019 gerade mal eine Zibbe behalten haben. Und das auch nur, weil sie mit Zähnen und Klauen verteidigt haben. Sonst wäre sie auch noch verkauft worden. Da ihre Mutter aber aus der Zucht fiel, wäre es genetischer Selbstmord gewesen, Siara auch noch abzugeben. Und dieses Jahr? Wiederholt sich das Spiel. Es sieht nicht danach aus, dass wir eine behalten können. Das ist bedauerlich – hätte ich doch heute, bei der letzten Ohrmarkenvergabe doch glatt mein Herz verschenkt. Aber nein, es soll nicht sein. Einer lacht sich dabei ins Fäustchen, pardon, in die Klaue: Knuth. Er kann entgegen jeder unserer Gewohnheit eine dritte Saison decken. Das wird ihn, aber auch die Zibben freuen. Und wir? Können uns tiefenentspannt zurücklehnen, da wir das Ergebnis schon ziemlich sicher einschätzen können. Und Siara? Für Siara hat das Schicksal auch schon einen Kandidaten auf die Welt kommen lassen: Ein Sohn von Mähphisto wird in unseren Bestand kommen und bereits als Lammbock den Traum aller Böcke leben. Wir werden die Daumen drücken: Könnte doch mit ihm uns endlich mal wieder ein schwarzes Lamm beglücken. Den eines muss man wirklich sagen: Reinerbig weiße Böcke bringen uns ein Problem: Bei der Geburt sind Skuddenöhrchen so winzig, dass man beim allerbesten Willen keine großen Ohrmarken setzen mag. Markierungssprays hin oder her – nach 2 Monaten braucht es gehörig Geduld, bis man alle a) getackert und b) auch zweifelsfrei seiner Mutter zusortiert hat. Die letzten haben es heute über sich ergehen lassen müssen wie Ureinwohner Amerikas eine Kriegsbemalung zu bekommen. Inkl. zweier Mütter, die auch eineiige Zwillinge sein könnten. So sehr gleichen sie sich. Eine strahlt jetzt lila, die andere rot. Und dann brauchte man sich nur noch auf den Kriegspfad, pardon, Teufelspfad auf die Lauer legen um die letzten Nummern korrekt einzutragen. Uffz! Bei der Herausforderung einer so großen Herde haben wir beschlossen, die Muttern künftig in 2 Gruppen zu unterteilen. Ja, mein Unfall hat für erhebliche Verzögerung gesorgt. Aber bei derartig vielen Lämmern kann man sich ja die Arbeit auch in normalen Jahren etwas einfacher machen. Es ist schließlich nicht geplant den Bestand zu verkleinern.

Was gäbe es noch zu sagen? Wir hoffen, dass im September die Auktion in Verden stattfindet. Wir hätten Freude daran aus Knuths Nachwuchs ein oder zwei Lammböcke mitzunehmen. Denn… so die Skudden-Mädels uns auch praktisch aus den Fingern gerissen werden: Die herdbuchfähigen Skuddenjungs sollten auch ihre Chance bekommen. Es lohnt sich 😉 Knuth bringt bewiesen hübschen Nachwuchs

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Leader Projekt abgerechnet

Gut Ding will Weile haben. So oder so ähnlich sollte die Devise sein, wenn man sich an ein EU-gefördertes Leaderprojekt traut. Aber auch wenn der bürokratische Aufwand immens ist und zwischendrin an den Nerven zehrt – das Ergebnis zählt!

Unser Dank geht an die Stadt Dassel, den Landkreis Northeim, die Familienstiftung Vogt sowie an die EU, die über dieses Leader Projekt „Scheeve Schüne“ uns die Dachsanierung unserer historischen Scheune ermöglicht haben.

Die Scheune ist zwingende Voraussetzung für die Biotop-Schäferei Sollingschaf. Sie dient als Heulager, als Notfallunterschlupf für unsere Tiere (eigentlich ziehen wir durchs ganze Jahr, Stallhaltung im eigentlichen Sinne ist bei unseren „Allwetterschafen“ nicht vorgesehen). Die Scheune dient aber auch dem NABU Dassel-Einbeck, beispielsweise für Jugendtermine, damit diese wetterunabhängig angeboten werden können.

Wir sind erleichtert – kam doch die Dachsanierung so ziemlich im allerletzten Augenblick rechtzeitig. Kurz vor Beginn der Arbeiten setzten mehrer Stürme dem Dach noch einmal zu, so dass Wassereinbruch zu beklagen war. Nun aber… sorgt die Scheune wieder für trockenes Heu und Stroh, für die Unterkunft unseres Mini-Treckers und als Lager für Vereinsinventar. Uffz. Wir hängen mit Leidenschaft an unserer Schäferei und sind dem Naturschutz eng verbunden. Das geht fast zwangsweise miteinander zusammen. Schäfer durchleben 5 Jahreszeiten im Jahresverlauf. Da unsere Lammzeit draußen stattfindet, erleben wir sogar alle 5 mitten in und mit der Natur. Selbige zu schützen liegt uns genauso am Herzen wie das Wohlergehen unserer bedrohten Nutztierrassen. Mit der Sanierung der Scheeven Schüne ist unser dafür nötiges Basislager nunmehr gesichert.

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Schlachtgedanken

Das Supermärkte billiges Fleisch anbieten, Verbraucher äußern auf den Preis schauen zu müssen und der Prokopfverbrauch Fleisch extrem hoch ist – das sind bekannte Tatsachen, die gefühlt den Verbraucher zwar aufregen, aber eben nicht handeln lassen.

Dazu ein paar persönliche Gedanken:

Warum es rechtlich möglich ist Fleisch unter den Produktionskosten anzubieten, warum es an Erkenntnis in den Führungsetagen mangelt, dass die Situation von osteuropäischen Arbeitnehmern in Sammelunterkünften gerade in Covid-19 Zeiten durch den Preisdruck entstanden ist, warum es meinem moralischen Empfinden nicht zu vermitteln ist, dass jene Konzerne diese Verantwortung von sich schieben… dafür finde ich keine Antworten.

Warum Verbraucher genau wissen, dass der derzeitige Prokopfverbrauch Fleisch gesundheitlich schädlich ist und gleichzeitig das Preisargument bedient wird…auch dafür finde ich keine Antwort, die etwas anderes aussagt als: Iss weniger, dafür höher wertiges Fleisch und Du tust Dir und den Tieren etwas Gutes.

Warum wegen finanzieller Aspekte Tiertransporte quer von A noch B über weite Strecken laufen müssen, ist schwer erträglich. Tiere, die in ungewohnten Hängern entgegen ihrer sozialen Struktur zusammen gesammelt folgerichtig gestresst in Schlachthöfen ankommen um dort ihr Leben zu beenden, sind ein gewolltes Massenprodukt?!

Und wenn man selber Nutztiere hält? Was hat der Gesetzgeber in der Vergangenheit an Möglichkeiten zerschlagen, Tiere am Ort ihres Lebens zu töten und zu schlachten. Es gibt diese Möglichkeiten nur noch mit fast unerreichbaren Auflagen, was wiederum dazu führt, dass es in den meisten Gegenden eben kein mobiles Schlachthaus gibt, das auf den eigenen Hof fährt und ohne Tiertransport stressfrei zu einem moralisch akzeptablem Ende führt.

Aber selbst in Gegenden mit fehlender Infrastruktur kann man den letzten Gang erträglicher machen. Mit der Wahl des Schlachters und mit dem stressfreien Zusammenführen der ausgewählten Tiere, die aneinander gewöhnt im ihnen wohlbekanntem Hänger von uns persönlich zum Schlachtbetrieb gefahren werden. Gerne zu kleinen, familiären Schlachtbetriebsstrukturen. Wir bringen keine sich nicht bekannten Böcke zum Schlachten, die hinterher adrenalin gepeitscht wässriges Fleisch liefern. Wir bringen auch keine Böcke und Zibben gemeinsam in die Schlachtung. So nach dem Motto soll der Bock last minute noch mal Spaß haben?! Maximal 43 km ist hier der letzte Weg lang. Gemütlich über Landstraßen gefahren ist das für unsere Tiere wenig anders, als wenn sie unser weit entferntestes Pflegegebiet entern würden. Sie kennen Transporte also. Das ist Fleisch, das nicht zu Supermarktpreisen produziert werden kann. Aber dafür ist es eines, in das man mit Respekt hinein beißen kann. Für jedes Fleisch hat ein Tier sterben müssen. Bleiben aber die entscheidenden Fragen: Wie hat es gelebt und wie ist es gestorben.

Bitte denken Sie daran!

Fakt ist, dass unser Betrieb 6 Skuddenlämmer aus 2019 nicht verkaufen konnte. Weil wir keine billige Masse erzeugen, sondern wertiges, dementsprechend höher preisiges Fleisch. Morgen gehen 3 Tiere in die Verwertung. Ein Ziegenlamm und 2 nun Skuddenjährlinge. Das Ziegenlamm konnte verkauft werden, die Skudden wandern in unsere Tiefkühltruhe. Nicht, dass wir nicht gerne und mittlerweile fast ausschließlich Schaf ( ja, wir verwerten auch 12 jährige Schafe), Ziege und Lamm (vom Schaf und von der Ziege) essen. Aber gerade auch hinsichtlich der Landschaftspflege ist es traurig, dass das wertvolle Produkt nicht ausreichend Nachfrage zeigt.

Nein. Preise zu senken ist dafür keine Option. Der Betrieb muss Gewinnabsicht zeigen um steuerlich dauerhaft zu bestehen. Da helfen keine Schleuderpreise. Da hilft derzeit nur der eigene Magen, Werbung und Aufklärung

Landschaftspflege wird nicht durch Mastställe erreicht. Landschaftspflege benötigt Nutztiere. Mit bedrohten Nutztierrassen in ethischer Haltung wird das „rund“. Die bedrohten Nutztierrassen müssen sich aber reproduzieren, damit sie erhalten werden können. Und damit fallen zwangsweise auch Schlachttiere an. Landschaftspflege ist teuer. Ökologisch ist sie deutlich wertiger durch Nutztiere als durch Maschinen. Letztere können auch gar nicht überall zum Einsatz kommen.

Bitte denken Sie bei Ihrem Fleischkonsum an die Herkunft, die Haltung und an das Ende eines jeden Tiers. Vielen Dank!

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Einer wurde ausgewählt…

Ein tiiiiefer Griff in die Fotokiste:

Vereinigung der Bockgruppe mit den Bocklämmern 2019

Übers Jahr schrumpft so eine Gruppe: So einige haben gut geschmeckt. Die letzten Skudden-Jungböcke stehen kurz vor der Verwertung. Aber ein einzelner WGH-Jungbock aus 2019 war für die Wurst zu schade. Und da wir eh eine ausgewachsene Bockgruppe „unterhalten“, hätte Arne das Auszählen überlebt und hätte die vorhandenen 3 ausgewachsenen Weißen Gehörnten Heidschnuckenböcke „verstärkt“. Wie immer freuen wir uns aber sehr, wenn ein junger Bock seine eigene Herde findet. Und so zog Arne heute nach Erfurt. Wir wünschen ihm ganz viel Spaß im Kreis seiner neuen, eigenen Schnuckenherde. Dass er da einige Graue Gehörnte Heidschnucken vorfindet, dürfte ihn wenig irritieren 😉 Aus der Bockgruppe kennt er ja schon schwarze Skudden…

PS: Heute Abend erreichten uns erste Fotos aus der neuen Heimat

Foto: Familie Kellner

Die Zibben halten noch Abstand. Das wird sich ändern 😉

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