Was ist ein „Sollingschaf“?!

TrutchenwollebodenlangEin „Solling-Schaf“ ist nicht etwa eine neue Schafrasse, gezogen um den Solling zu beweiden. Für das Solling-Schaf greifen wir auf alte, seltene Nutztierrassen zurück. Diese eint aber ein Merkmal, weswegen der Wanderer oder Interessierte sich ziemlich sicher sein kann, eines unserer Schafe im Solling gesichtet zu haben: Fast alle unsere Weidetiere – auch die Weiblichen – tragen Hörner! Wir halten Weiße Gehörnte Heidschnucken in Herdbuchzucht und Skudden im Vorherdbuch bzw. Herdbuch. Wir sind anerkannte Stammzucht im Landesschafzuchtverband Niedersachsen!

Foto: Robert Schumacher: Weiße Gehörnte Heidschnucke „Trutchen“

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Skuddenvielfalt

Warum soll ein Schaf in Ihrer Vorstellung nur weiß sein?!

Skudden sind die personifizierte Abwechslung. Für manchen Laien mögen Schafe weiße Wollknäule auf dem Deich oder auch anderen großräumigen Weiden sein. Die Skudden-Realität ist meist eine andere. Von Hobbyhaltern wegen ihrer Anspruchslosigkeit geliebt, von Biotopschäfern wegen ihrer Genügsamkeit geschätzt, weidet die Skudde auch kleine Flächen mit eher geringem Aufwuchs ab. Anstatt weißem Einheitsgewand, kommt die Skudde auch in schwarz oder braun vor. Und um dem Ganzen noch sprichwörtlich die Krönung aufzusetzen, kann sich die Skudde auch mit Hörnern zieren. Mit oder ohne, beides laut Standart erlaubt.

Früher hat man ja aus dem Material „Horn“ auch noch was gemacht. Knöpfe beispielsweise. Heute sind vielen „modernen“ Schafrassen die Hörner „verloren“ gegangen. Sprich in der Zucht wird auf hornlose Tiere selektiert, bis irgendwann dieses Merkmal verschwunden ist. Denn… heutzutage kosten Hörner in der Schlachtung Geld, da Schlachtabfälle nach Gewicht verwogen werden müssen.

Dabei sind gerade Skuddenhörner so herrlich individuell. Weswegen bis heute unsere Skudden Namen tragen und auch unterschieden werden können. Und weswegen die Tiere auch eine Rangordnung haben. Verletzungen untereinander gibt es wegen der Hörner nicht. Skudden sind nicht so grobmotorisch wie Ziegen. Einzig bei den Böcken wird die Rangordnung mit ausgesprochener Leidenschaft ausgetragen.

Wenn Sie also auf der Suche nach der richtigen Schafrasse sind: Für Skudden spricht unendlich viel. Wer Einsteiger ist, findet eine unkomplizierte Anfängervariante. Wer Fortgeschritten ist, schätzt die Vielfalt der Schafe und der Einsatzmöglichkeiten. In der Abgrenzung zu den Schnucken kann man zudem sagen: Skudden sind deutlich leiser als Schnucken 😉

Skudden sind eine gefährdete Nutztierrasse. Wenn Sie sich für diese Rasse entscheiden, fragen Sie bei den Zuchtverbänden nach. Sie gewähren, dass sie reinrassige Tiere bekommen, die auch sicher die Vorzüge der Skudden haben und weiter geben. Und auch wenn Herdbuchzucht kein günstiges Unterfangen ist: Wenn Sie sich züchterisch betätigen wollen, dann gehen Sie bitte diesen Weg um die Rasse dauerhaft zu erhalten. Auch die Generation nach uns möchte noch „besondere“ Schafe erleben und halten können.

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Das Leben ist bunt: Meda

Der erfahrene Schafhalter wird hier die Stirn runzeln: Das Schaf sieht merkwürdig aus! Das Gesicht ist irgendwie weiblich, die Hörner sagen hier aber etwas anderes. Medea ist ein Beispiel für die Vielfalt des Lebens. Medea ist ein Zwitter. Da Medea ein Zusatzflaschenlamm war (Bericht des winzigen Drillings weiter unten), können wir uns schlecht von diesem besonderen Schäfchen trennen. Auch wenn es für die Herdbuchzucht keinerlei Nutzen hat. Nutzen ist etwas Relatives. Medea ist ein lebenslustiges Schäfchen, das die Passanten zum grübeln bringt. Hängt am Zaun der Seniorinnen und Jungzibbengruppe doch ein Schild, das bockfreie Zeit verkündet. Da Medea aber keinen Deckakt vollziehen kann, bereichert unser Zwitter diese Gruppe durch Individualität und Lebensfreude.

Jedes Jahr gibt es irgendeine Auswahl unter den Lämmern, die scheinbar keiner Logik folgt, sonder das Herz sprechen lässt. Lustigerweise hat sich im Nachhinein immer heraus gestellt, dass diese Wahl ihren Sinn hatte. Weil aus einem hässlichen Entlein ein stolzer Bock wurde oder genau so ein Schäfchen irgendwo dringend gesucht wurde ect. Medea „dient“ auf jeden Fall dem morgendlichen Lächeln. Wunderschöne Mähne, ein Gehörn, das manchen Jungbock vor Neid erblassen lassen könnte… und ein schönes Beispiel dafür, dass unser Leben etwas bunter ist als andere.

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20 Stunden ohne wenn und aber

Um eine Nebenerwerbslandwirtschaft haben zu können, benötigt es einen Hauptberuf. Andernfalls läge der berufliche Schwerpunkt in der Landwirtschaft. Das ist erst einmal logisch. Der Gesetzgeber macht das aber nicht etwa am monetären „Untermstrichergebnis“ fest, sondern an der Stundenzahl. Das ist gewissermaßen ein Paradoxon. Aber was hilft´s: Der Gesetzgeber verlangt 20 Stunden Beruf neben der Landwirtschaft. Andernfalls werden landwirtschaftliche Krankenkassen- und Rentenbeiträge fällig, die mindestens unsere Schäferei nicht hergibt. Also egal was man sonst verdient und wie die Rentenvorsorge aussieht: 20 Stunden in der Woche sind zu leisten.

Das klappt im Sommerhalbjahr ja ganz praktikabel. Das Tageslicht lässt das zu. Bis… schließlich der Oktober kommt. Und dann geht der Irrsinn wieder los. Der Gesetzgeber lässt unberücksichtigt, dass ein Arbeitsweg Zeit kostet und eine betrieblich bedingte 2 stündige Mittagspause nicht für Arbeiten in der Landwirtschaft genutzt werden kann. Was bleibt denn dann für den eigenen Betrieb? Gerüchteweise ist der Spruch „Der Tag hat 24 Stunden und notfalls nehmen wir die Nacht dazu“ in der Bundewehr entstanden. Er hätte aber auch hier bei uns seinen Ursprung finden können: Denn… ab Oktober ist es hier Volkssport nachts mit Stirnlampe zäunend im Gelände herum zu kraxeln. Dass das nicht ungefährlich ist… ja mei, wenn es der Gesetzgeber so will, dann ist das eben so. Dass man als Angestellter in einem sogenannten „systemrelevanten“ Beruf auch Dienste absolviert, die da stundentechnisch nicht erfasst werden… also warum soll es uns da anders ergehen, als beispielsweise den pflegerischen Berufen?! In Krisenzeiten erinnert man sich an diese Fachkräfte, danach zuckt der Gesetzgeber munter die Schultern und handelt nach dem Motto: Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Also lauf gefälligst los.

Also liebe Jägerschaft: Kruschtelt die Schäferin nachts auf der Weide, so ist sie nicht etwa das Modell „Eule“ oder kann gerade nicht schlafen. Sie muss nur leider das Tagwerk in die Nacht verlegen.

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Richtig alte Schafe

Wenn Schafe aus der Zucht fallen, landen sie normalerweise in der Wurst. Bei uns ist das anders. Hier bekommt man dann den Job „Erzieherin“ und geht ohne Bock, dafür aber mit quirligen Jungzibben durch den Winter. In dieser Rentnerinnengruppe stehen sogar 12 jährige, die den Herbst-Gesundheitscheck absolviert haben und somit die Freigabe für eine weitere Saison bekommen haben.

Nun hat ein Altschaf natürlich eine andere Statur, als ein Schaf in der Blüte seines Lebens. Das ist beim Menschen ja auch nicht anders. Die Muskulatur atrophiert und Zähne sind Mangelware. Letzteres bedingt, dass man in diese Gruppe nur Einzug halten darf, wenn man handzahm ist. Das sind alle unsere Rentnerinnen. Das führt dazu, dass man sich täglich seinen Seniorenteller aus der Hand holen kann. Und so kann man seinen Lebensabend unter aufmerksamer Beobachtung der Schäfer genießen. Dass sie das tun, kann jeder sehen, der sich etwas Zeit nimmt die Gruppe zu beobachten. Also wenn sie Sollingschafe mit der typischen Delle der Altschafe sehen – dann gönnen sie den alten Damen ihre deckfreie Lebenszeit. Wir ziehen den imaginären Hut vor ihnen. Haben sie doch teilweise bis zu 14 Lämmer geboren und auch erfolgreich aufgezogen.

Links: Afrodithe, rechts in schwarz Pauline – beide 12 jährig
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Solling-Schäferei übernimmt Herdbuchskudden

Manchmal passt es einfach nicht mehr: Zu wenig Heu wegen Trockenheit, Schwerpunktverlagerung, mangelnde Wirtschaftlichkeit und der wachsende Arbeitsaufwand mit sich vergrößernder Herde. Dankbar macht, wenn der Entschluss zur Verkleinerung nicht nur den Schlachter als Lösung vorsieht, sondern ein Fortbestand der Tiere und damit des Genpools das bevorzugte Ziel darstellen.

Heute war es so weit: 11 Herdbuchtiere haben den Besitzer gewechselt und sind zu uns in den Solling gezogen. Horträger und Hornlose hier vereint. Genetisch liegt hier die Priorität auf den Erhalt. Hörner… bekommen wir im Laufe der Jahre schon wieder in den Nachwuchs, das hat die Vergangenheit gezeigt. Die wenigsten Hornlosen sind reinerbig hornlos.

11 mal genetische Unterstützung für unsere Skuddenherde

Der derzeitige Stand: 16 Bestandszuchttiere und 5 neue Zuchttiere: Macht eine Zuchtgruppenstärke von 21 Muttern. Der Rest… ist die Zukunft von morgen: 6 neue Jungzibben, 4 horntragende Jungzibben aus unserer Zucht und eine Hornlose, die aus sozial taktischen Gründen bleibt. Man kann sich hier auch ohne Horn seine Dauerkarte lösen 😉

Knuth… wird begeistert sein. Leider ist sein Nachwuchs konsequent weiß. Sein genetisches Strickmuster lässt nichts anderes zu. So what. Er bringt hübsche Lämmer. Der nächste Bock heißt entweder Bruno (braun) oder Hannibal (schwarz). Beide Mähphistosöhne sind schon bei uns. Unsere Skuddenzucht steht auf einer genetisch breiten Basis – auch Dank des Entschlusses der Abgabefamilie ihre Skudden zu uns ziehen zu lassen. Wir sagen vielen Dank!

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Patenschaften für vom Aussterben bedrohte Schafrassen

Ab 2021 werden wir gewißermaßen „gläsern“ und bieten Patenschaften für Skudden und Weiße Gehörnte Heidschnucken an:

Unser Ziel ist es die Schafhaltung auf wirtschaftliche Beine zu stellen, denn nur dann werden diese Schafrassen dauerhaft erhalten bleiben können. Das Ziel des Verbrauchers sollte hingegen sein, dass er weiß wo und wie sein Fleisch auf dem Teller heran gewachsen ist. Hier führen wir beide Wünsche zusammen und bieten ab der Geburt einen mindestens monatlichen Bericht, wie sich der Nachwuchs entwickelt und was er treibt. Zusätzlich können einmal in der Zeitspanne von April bis Oktober die beiden Herden (Skudden und Weiße Gehörnte Heidschnucken) besichtigt werden. Wenn wir im Sommer die sogenannte „Große Herde“ aus beiden Rassen bilden, können selbige und die Bockgruppe „erlebt“ werden. Denn ein „Erleben“ ist es: Mitten in der Natur wird zu den Tieren gewandert, die im Sommerhalbjahr wertvolle Biotope erhalten helfen. Da bekommen Kind und Kegel auch gleich ganz viel Wissen vermittelt, warum Weidetierhaltung ökologisch etwas ganz anderes als Stallhaltung ist: Es summt und brummt, es zwitschert und es schleicht…

Wir haben Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich bei uns für weiterführende Informationen unter info@sollingschaf.de

Geburt im März: Hier mit Skudden- Drillingen. Medea vorne rechts ist bis heute bei uns im Bestand.
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Holzeinschlag

Der letzte Sommersturm hätte Tod und Verderbnis bringen können. Es blieb beim großen Schrecken. Morgens auf Kontrolle wurde mein Mann am Auto bereits von Schafen umringt, der Rest der Gruppe stand auf der Nachbarfläche und hielt sich auffallend mittig auf.

Vor einem Sturm schauen wir eigentlich kritisch zu den Fichten. Manch eine ist durch Käferfrass zum Absterben gebracht worden und stellt ein potentielles Risiko dar. Jetzt meinen Sie bloß nicht, dass das Privatwaldbesitzer zum Handeln animiert. Oft geht das auch gar nicht mehr, weil mittlerweile viele Bäume betroffen sind. So was lässt sich mit der Motorsäge und Winde gar nicht mehr bearbeiten. Gegenläufig dazu arbeiten die Niedersächsischen Landesforsten unentwegt an dem Problem – das aber derartig gigantisch ist, dass selbst die nicht an allen Brennpunkten gleichzeitig sein können

Ein Sommersturm birgt zusätzliche Gefahren. Belaubte Bäume ächzen wesentlich mehr als Unbelaubte. Nie im Leben hätten wir damit gerechnet, dass es eine vital erscheinende Buche zerlegt und der vollen Länge nach auf eine gerade in Beweidung befindliche Fläche wirft.

Die Schafe auch nicht. Deren Entsetzen war so groß, dass sie in hohem Bogen über den Zaun setzten (Schnucken eben…). Da sie unter einer noch vitalen Fichte geschlafen hatten, ist ihnen wenigstens nichts passiert.

Und so liefen die Schafe nicht ohne Grund zu ihrem Schäferauto: Wenn einem förmlich der Himmel auf den Kopf gefallen ist, dann sucht man Schutz und Trost beim Schäfer. Was auch funktionierte. Denn brav zogen die Tiere wieder auf die Unglücksfläche – nachdem der Baum ausgezäunt war.

Corpus delicti eines Sturms
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Eine Aera geht zuende – Aufgabe der Ziegenhaltung

Zu den ersten Weidetieren gehörten seinerzeit auch 2 Ziegen. Seitdem haben wir viele Jahren eine kleine Burenziegenzucht betrieben. Man nehme das wörtlich, derzeit sind es 6 Tiere. Eigentlich war geplant die Zucht einzustellen, aber die restlichen Tiere bis zu ihrem Ende zu behalten. Doch in diesem Jahr hat sich viel verändert. Unfallbedingt arbeite ich draußen mit Schiene. Ein instabiles Knie im Steilhang und auf Biotopflächen – das passt einfach nicht zusammen. Ich will auch gar nicht darüber klagen, da ich die Schiene eigentlich gar nicht mehr spüre. Sie ist halt ein Teil von mir geworden.

Im Herbst werden Ziegen zickig. Die Deckzeit ist nah. Da wird mit allen und jedem eine Rangordnung ausgefochten. Gestern hat sich eine Ziege gegen mich gerichtet. Das wäre an und für sich gar kein Problem gewesen, denn ihre Größe ist eher übersichtlich. Ziegen sind nur leider sehr intelligent. Lilly hatte im Handumdrehen begriffen, dass man mit den Hörnern in der Schiene einhaken kann um mich zu Fall zu bringen. Damit war aber kein Arbeiten auf der Fläche möglich. Jedes Mal wenn ich das Zelt spannen wollte, hakte es wieder ein und die Bodenhaftung ging verloren.

Bei uns wird vieles, was unmöglich erscheint möglich gemacht. Aber die Vernunft sagt hier, dass wir die gleiche Landschaftspflege auch mit unseren Schafen erreichen können – ohne Leib und Leben im Steilhang zu riskieren. Das Einzige, was unsere Schafe nicht können, ist die berühmte Räuberleiter der Ziegen. Aber Büsche verbeißen, Rinde knabbern und Hörner an Büschen „schleifen“… das können unsere horntragenden Schafe auch. Nur dass eine Schafmutter nie auf die Idee käme uns anzugreifen. Böcke sind eine eigene Geschichte. Aber uns reicht eine Bockgruppe völlig aus, die mit vorausschauendem Bedacht gehandelt werden muss.

Etwas Wehmut ist natürlich dabei, keine Frage. Scherzhaft sage ich, dass wir im Seniorenheim eines Tages die Stars sind, weil wir so unzählige und unfassbare Begebenheiten mit unseren Weidetiere erleben. Darunter sind selbstverständlich auch viele Ziegengeschichten. Also spontan denke ich an meine Tochter, die als Teenager eine Ziege führte, die damit partout nicht einverstanden war. Lena flog in hohem Bogen durch die Luft, landete mitten in den Brennnesseln und wurde dann von Lotte hinterher gezogen. Lena hat keinen Moment losgelassen und Lotte fand in ihr ihre Meisterin. Darüber lachen wir heute noch. Oder um es mit den Worten einer Freundin zusammenzufassen: Ziegen sind wie Katzen: Eigenwillig und unwiderstehlich.

Wir haben auch keine Katzen 😉

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Von der Liebe auf den ersten Blick und einer vermeintlichen „Flitzpiepe“

Auktion in Verden… das heißt Bekannte treffen, sich austauschen, staunen und lächeln sowie… Verkaufen oder Kaufen. Wir kamen zwecks Bräutigamschau – allerdings ohne jeglichen Druck. Das war eine sehr befreiende Erfahrung. Weiße Gehörnte Heidschnucken haben nur noch wenige Zuchtlinien. Damit passt ein Kauf gar nicht mehr in jedem Jahr zum eigenen Bestand. Heute… war das Angebot für uns durchaus passend und so schlenderten wir von einer Box zur nächsten. Bei genauem Hinsehen gefielen gleich die ersten nicht, die nächsten waren gar nicht zum Verkauf gedacht und in der nächsten Box schossen 4 Augenbrauen hoch: Klassischer Fall von Spontanverliebheit. Genetisch passte der Jährling mittelprächtig. Inkorrekt. Sehr gut, aber es gab genetisch noch besser passende. Also schlenderten wir weiter… puh ja. Aber so vom Hocker… hat es uns nicht gerissen.

Was tut man dann? Man setzt sich Nummern, die genetisch passen in Notes und geht mit der Katalognummer 18 „schwanger“. Und geht essen 😉

Auktionen sind aufregend, man muss sich im Vorfeld Limits setzen. Die haben wir eingehalten. Wir haben – wie so häufig und bislang nie bereut – das Herz entscheiden lassen. Die Katalognummer 18 wurde ersteigert. Zu einem vernünftigen Preis, weswegen noch ein Restbetrag übrig blieb. Die vermeintliche „Flitzpiepe“, die keiner haben wollte – ein etwas klein geratenes Bocklamm – hüpfte somit ebenfalls in unseren Einkaufwagen. Da wird sich manch einer gewundert haben. Wieso kauft man ein 7/7/6 bewertetes Bocklamm?

Das ist nur vermeintlich ein überflüssiger Kauf. Schnell wachsende bzw. wachsen wollende Lämmer, bedienen Biotopflächen nicht immer ausreichend. Das wäre für uns wenig wünschenswert. Das immer größer werdende „Landschaf“… ist also ein wirtschaftlicher Wunsch nach Bratengröße, aber nicht das, was ohne Zufütterung draußen geboren und zufrieden heran wächst.

So sind die stattliche Katalognummer 18 und die „Flitzpiepe“ Thadeus also durchaus „bedacht“ gekauft. Um den goldenen Mittelweg zu treffen.

Vorne rechts: Katalognummer 18, links daneben Thadeus

Ein Beispiel für jenen, etwas besonderen Weg ist unser „Jonas“. Halbjährig wurde er vom LSV seinerzeit für das Herdbuch abgelehnt. Zu flitzpiepig. Der Zwilling brauchte aber einfach nur etwas länger. Knapp einjährig stand er genauso gut da wie sein gekörter Halbbruder Tristan. Jonas ist ohne Herdbucheintrag bis heute bei uns. Weil… er gewissermaßen das geschafft hat, was heute die Katalognummer 18 schaffte. Von Geburt an bis heute, ist er etwas Besonderes: Ein distanzloser, zu Menschen aber stets freundlicher WGH-Bock und in der Bockgruppe das Leittier. Frank und Jonas – ich würde sagen, die beiden genießen sichtlich den täglichen Kontakt. Dies sind die kleinen Freuden, die die tägliche Tierkontrolle stets zu einem kleinen Tageshighlight machen.

2, die sich schätzen und die Bockgruppe handeln: Jonas und mein Mann Frank. Oder… wie man auch ohne Herdbucheintrag seine Rolle in der Bock-Herde finden kann.

Auch wenn das hier so aussieht: Kein Bock bekommt bei uns was extra. Weder aus der Hand noch aus dem Eimer. Wir sind nicht lebensmüde…

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Das große Sortieren…

Herbstanfang heißt… ein kritischer Blick wandert in die große Herde, in der alle Schucken- und Skuddenmuttern, sowie die weiblichen Lämmer laufen. Ersteinmal müssen die Jungzibben separat gestellt werden. Ihnen werden die Rentnerinnen zugesellt, die als Erzieherinnen fungieren. Und parallel werden die Zuchttiere einzeln bewertet: Sind alle Zähnchen da, ist die Brust gut bewollt, Gesamterscheinungsbild…

Bei so vielen Tieren, heißt es rechtzeitig vor der Deckzeit im Oktober mit diesem Programm loszulegen…

Die erste Hängerladung haben wir heute sortiert, bewertet und pedikürt. Um es mal gleich vorneweg zu nehmen: Bis auf meine Schnuckenrentnerin Grete waren es ausschließlich Skudden, die als erste in den Hänger gelaufen sind. Also bitte: Glauben Sie nicht die Mär von den ach so scheuen Skudden. Das ist schlicht nicht wahr!

Heute Abend knallt hier auf jeden Fall ein imaginärer Sektkorken. Von den 9 Skuddenmuttern, worunter einige nicht mehr jung zu nennende Tiere sind, waren alle vollzahnig und tiptop drauf. Die befürchtete Berentung einiger Damen konnte getrost auf ein weiteres Jahr Minimum verschoben werden. Mich freut besonders, dass die 7 jährige Mina, die mit reichlich Zwillingen und auch einmal Drillingen gesegnet war, ebenfalls im Rennen bleibt.

4 Jungzibben waren in der ersten Charge ebenso wie unser Zwitter Medea (ein Drilling, von dem wir uns irgendwie nicht trennen mögen. Flaschenlammwurst schmeckt emotional nicht so wirklich). Unter diesen sind 2 Hornträgerinnen, die ganz sicher bei uns im Herdbuch verbleiben werden. Darunter dieses Traumlamm

Man beachte bitte auch die Wolle am Bauch,auf die bei uns stramm geachtet wird! Wer durch den Winter zieht, der braucht eine dementsprechende Ausstattung. Dazu darf bei uns jede Jungzibbe unbelegt in den ersten Winter gehen und erst einmal in Ruhe auswachsen, bevor sie im kommenden Herbst belegt wird. Die Belegung findet einmal im Jahr statt, auch wenn Skudden asaisonal sind. Ständiges Lämmerproduzieren kostet Kraft. Wir haben lieber altersfrische Tiere, die ein langes und gesundes Leben bei uns verbringen. Unsere Muttern sind gewissermaßen Lebensabschnittsschafe 😉

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