Normalerweise berichte ich hier in locker-lustiger, zuweilen aber auch nachdenklicher Art und Weise aus unserem Schäferalltag. Am letzten Eintrag sieht man aber schon… dieses Jahr ist etwas anders.
Das Positive vorneweg: Die Lammzeit ist durch und trotz schwerster Bedingungen (Schnucken-Stallgeburten nach minus 25 Grad und Kälteeinbruch im Schnee im April mitten in der Skuddenlammzeit) sind wir stolz sagen zu können: Unsere Tiere und wir haben es geschafft. Mit 59 Lämmern haben wir ein sehr gutes Ergebnis.
Und was war dann los, dass sich gefühlt alles verändert hat?
Stellt Euch vor, Ihr werdet bedroht. Und 2 Tage späterkommt Ihr zu der Mutterherde und jemand hat dort echt perfide gearbeitet. Ja, gearbeitet, denn das war nicht das Werk von 5 Minuten.
Karfreitag öffnete jemand alle Verbindungen, trat gegen die Stromverbindungen und kippte die Wasserkübel um. Was bedeutet das? Es ist die Zeit mit der stärksten Säugeleistung. Rund 100 l Wasser setzen die Schafe in dieser Phase um. Nimmt man den Muttern das Wasser, fangen sie nicht nur an zu brüllen, sondern versuchen auszubrechen. Das wäre hier ja für die Muttern wegen der geöffneten Verbindungen ein Leichtes gewesen. Dahinter hätte auch ein Bach gelockt. Problem nur: So kleine Lämmer nehmen das Stromnetz nicht wahr. Sie finden keine Lücken 50 m weiter. Sie nehmen den direkten Weg. Da wir horntragende Tiere haben, verhaken sie sich dabei. Und dort verenden sie dann elendig.
Das wäre schwere, in meinen Augen, schwerste Tierquälerei gewesen. Sie zielte haargenau auf die Schwächsten, die man sich überhaupt vorstellen kann. Das sind Menschen, für die Nutzttiere den Wert von Küchenschaben haben.
Was uns hier gerettet hat, waren 3 Flaschenlämmer, die in der Gruppe waren und die 4 mal täglich versorgt werden mussten. Nur deswegen kam ich rechtzeitig genug in der morgendlichen Dämmerung.
Unser Dank geht an Freunde, NABU-Mitglieder, Förster und Jäger, die in Folge engmaschig nach dem Rechten gesehen haben.
Meine Freude an Berichten ist nunmehr eingeschränkt. Es wird nicht mehr bekannt gegeben wo die Tiere gerade sind. Man muss sich vorstellen, dass man sich nicht mehr traut die Klöntür der Scheune zu öffnen, weil man Brandsätze befürchtet. Die Scheune ist mit einer Videoanlage gesichert.
2020 hatte man uns bereits die Radmuttern am Auto gelöst. Da kann man auch nicht mehr von Kavaliersdelikt reden. Man will uns gezielt schaden.
Aufhören? Da kann der- oder diejenige lange warten. Seit diesem Jahr sieht es sogar danach aus, dass der Betrieb eines Tages eine Nachfolgerin haben wird. Bitte unterstützt uns weiter! 59 Lämmer… bedeutet nicht nur viel Arbeit. Es benötigt auch einen „Markt“ für diese Tiere. Menschen, die verstehen, dass die Preise aus dem Supermarkt maximal ein Witz sind. Menschen, die auch preislich würdigen, wie wir uns um Lämmer kümmern, die einen holperigen Start ins Leben hatten (zu wenig Sauerstoff unter der Geburt ect.) und die mit der Milch mehr kosten als sie je einbringen. Und Menschen, die sich mit uns an unseren Rentnerinnen erfreuen, die aktiv helfen Biotopflächen mit zu erhalten und unsere zukünftige Zuchttiere auf uns prägen. Wir glauben an dieses Konzept. Wir glaube daran, dass ein ethischer Umgang mit Nutztieren die Zukunft ist.
Der Grund der letzten Drohungen war übrigens unsere ehrenamtliche Arbeit im NABU Dassel-Einbeck. Mein Mann hat daher aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als Schriftführer niedergelegt. Wenn die betroffene Person weitere Textnachrichten schicken will, dann bitteschön an mich. Da die betreffende Nummer mittlerweile identifiziert ist, führt der direkte Weg nach der nächsten Drohung zur Polizei! Schon allein, damit unsere Nachfolgerin nicht ebenso traktiert wird.